FÜR NEUE MUSIK ZÜRICH
Programm

PROGRAMM 2020

   

März

         
20.03.
21.03.
20:00
20:00
  Zofingen, Palass
Zürich, Kunstraum Walcheturm

Carte Blanche

Musik von Mehdi Hosseini (St.Petersburg)



Inertia (2014)
für Klarinette, Klavier, Geige und Cello

Inertia is the first of a set of works by the composer utilizing a system he developed called “monodies”. In this system Hosseini attempts to bring into relief the distinct function of the aggregate of all individual lines of the music – heard as a single horizontal complex.

Imbedded within this rather experimental approach is a set of time-honored principles derived from various oriental traditions – perhaps the most salient example of which can be found in the “dastgah” music system belonging to Persian music traditions.

Inertia contains an emergent form approximating both the common principles employed in the spontaneous compositional procedures of oriental music and practiced today in the field of audio synthesis.

Sârukhâni III (2016)
Für Flöte, Klarinette, Klavier, Geige, Bratsche, Cello und Schlagzeug
Based on folk music material of Kermânshâhân – Sahneh

Gahgeryu (2019) UA
Für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Violine und Violoncello

ensemble für neue musik zürich

Hanspeter Frehner  Flöte
Manfred Spitaler   Klarinette
Viktor Müller      Klavier
Lorenz Haas        Schlagzeug
Daniela Müller     Violine
David Schnee       Viola
Nicola Romanò      Violoncello

Bruno Stöckli      Leitung

Mehdi Hosseini (Seyed Mehdi Hosseini Bami) wurde 1979 im iranischen Teheran geboren. Hosseini begann seine musikalische Ausbildung im Iran, wo er unter der Anleitung von Farhad Fakhreddini, dem bekannten iranischen Komponisten und Gründer des iranischen Nationalorchesters, persische Musik und die Grundlagen der Komposition studierte. Nach seinem Studium im Iran beendete Hosseini sein Masterstudium am St. Petersburger Staatskonservatorium bei Professor Alexander Minatsakanian, einem Schüler von Schostakowitsch, und seinem Doktor der Musik (DMA) in Komposition bei dem Komponisten Sergei Slonimsky.

Darüber hinaus absolvierte Hosseini im Sommer 2007 einen Kompositionskurs an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien in Mürzzuschlag, Österreich, wo er bei dem britischen Komponisten und Pädagogen Nigel Osborne studierte. Er studierte bei den Komponisten Gennady Belov und Vladimir Tsitovich Grundprinzipien der Musikkomposition und arbeitete unter der Leitung von Professor Tatiana Bershadskaya an musiktheoretischen Problemen.

Seine Musik und sein Stil haben seine kreativen Fähigkeiten als Komponist und seine Forschungsfähigkeiten als Ethnomusikologe und Theoretiker unter Beweis gestellt. Hosseini hat sinfonische Musik und Kammerorchesterwerke für Ensembles und Solisten in verschiedenen Kompositionsgenres geschrieben. Seine Werke zeigen einen starken monodischen Musikeinfluss, der ursprünglich interpretiert und in einen persönlichen Stil eingearbeitet wurde.

Er benutzt das Wort Monodien oft nicht nur als Titel seiner Komposition, sondern auch als musikalischen Begriff; womit er die eigenschaften einzelner stimmstrukturen meint, die sich jeder musikalischen textur anpassen. Im Kern spiegelt seine Musik seine ständige Erforschung der erstaunlichen Vielfalt der orientalischen Musik wider, insbesondere der grundlegenden Komponenten der persischen Musik, der Struktur der Dastgah-Musik und der regionalen Musik des Iran, die die traditionellen Traditionen der Volksmusik abdecken in den verschiedenen Regionen des Iran und regionalen Gebieten.

Für sein Album „Monodies“ wurde Mehdi Hosseini 2013 vom iranischen Musikhaus mit dem Preis „Das beste Album des Jahres“ ausgezeichnet.

Seine Musik wurde von Orchestern und Ensembles wie dem Staatlichen Philharmonieorchester St. Petersburg, dem Staatlichen Akademischen Symphonieorchester St. Petersburg, dem Symphonieorchester des Opern- und Balletttheaters des Staatlichen Konservatoriums St. Petersburg und der Nordossetischen Staatssymphonie aufgeführt Orchester, Ensemble intercontemporain, Ensemble Namascae Lemanic Modern, Ensemble Unitedberlin, PluralEnsemble, Proton Bern, Ensemble für Neue Musik, Ensemble für Zeitgenössische Musik Moskau, eNsemble, Sound Ways, GAMEnsemble und mehr. Seine Werke wurden im Compozitor-Verlag (Russland) und im Donemus (Niederlande) veröffentlicht.

In den letzten Jahren hat sich Mehdi Hosseini aktiv an Projekten für zeitgenössische Musik in St. Petersburg und ganz Russland beteiligt. Seine Musik wird regelmäßig auf Festivals wie Sound Ways, St. Petersburger Musikfrühling, Contemporary East and West, Contemporary Past, Moskauer Herbst, Moscow Actual Music Festival „Another Space“ und anderen aufgeführt. Seine Musik wird im Mariinski-Theater, in den Konservatorien von Sankt Petersburg und Moskau, in Sankt Petersburg und in der Moskauer Philharmonie gespielt.

Mehdi Hosseini leistete 2011 einen unschätzbaren Beitrag zur Entwicklung der St. Petersburger Kulturszene, als er das St. Petersburger Zentrum für zeitgenössische Musik reMusik.org eröffnete. 2013 gründete und leitete er die Eröffnung des St. Petersburg International New Music Festival.

www.monodies.com


www.monodies.com



         

Mai

         
16.05. 20:00   Zürich, Kunstraum Walcheturm

Bruno Stöckli: «Getönt» (1997) Neufassung
für Flöte, Klarinette, Klavier, Schlagzeug, Violine, Violoncello

Galina Iwanowna Ustwolskaja: «Sonate Nr 4» für Klavier solo

Bruno Stöckli: «Souvenir» (2016) Neufassung
für Flöte, Klarinette, Klavier, Schlagzeug, Violine, Violoncello

Yoshua Neuman: „Klang aus der Steppe“ UA
für Flöte, Klarinette, Horn, Klavier, Schlagzeug, Violine, Violoncello, Kontrabass

Bruno Stöckli: "Makadam" (2019) UA
für Flöte, Klarinette, Horn, Klavier, Schlagzeug, Violine, Violoncello, Kontrabass




ensemble für neue musik zürich
Hanspeter Frehner  Flöte
Manfred Spitaler   Klarinette
Aurélien Tschopp   Horn
Viktor Müller      Klavier
Lorenz Haas        Schlagzeug
Daniela Müller     Violine
Nicola Romanò      Violoncello
Daniel Sailer      Kontrabass

Bruno Stöckli      Leitung



Bruno Stöckli (1960) studierte am Konservatorium Zürich (Horn) und absolvierte die Ausbildung zum Kapellmeister an der Musikhochschule Basel. (Unterricht bei Antal Dorati, Horst Stein, Lothar Zagrosek, Raiph Weikert u.a.) Er studierte Komposition bei H. U. Lehmann und nahm an Kompositions-Workshops von Mauricio Kagel und Luciano Berio teil. Viele Jahre arbeitete er mit dem Ensemble für neue Musik, Zürich zusammen und leitete daneben das Ensemble Theater am Gleis TAG in Winterthur. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit leitet er heute das Orchester der Stadt Burgdorf und unterrichtet an der alten und neuen Kantonsschule in Aarau, sowie an diversen Musikschulen. Lebt und arbeitet in Lenzburg.
 B.S.

Mit Bruno Stöckli arbeiten wir seit 1990 als Dirigent zusammen und wir haben seit 1994 9 Werke von ihm uraufgeführt. Makadam wird die zehnte UA sein.HPF

SOUVENIR I-III (2016)
Bruno Stöckli schreibt:
Souvenir: Erinnerungsstück.
Se souvenir (frz.): sich erinnern, gedenken.
Im Verlauf von Edgard Varèses Hyperprism taucht ein Akkord auf, der mich schon seit einigen Jahren beschäftigt. Nicht der Akkord als solcher fesselt unsere Aufmerksamkeit – seine Struktur ist nicht besonders interessant – vielmehr ist es die Art und Weise seines Auftauchens, die scheinbare Unmittelbarkeit, mit der er – wie viele Klangobjekte in Varèses Musik – in das zeitliche Gefüge eintritt: als reine Präsenz sozusagen, wie ein Meteorit, der scheinbar ohne Herkunft in die Ebene der Zeit einschlägt und der in Souvenir I-III einen vielfältigen Echo-Raum findet: so zu Beginn, wenn er, als erinnertes Objekt, in ritueller Wiederholung nichts als sich selbst erinnert (bis allmählich ein komplementäres Element das statische Geschehen belebt und schließlich mit seiner ornamentalen Gestik überwuchert); so in Souvenir II, wenn unser Akkord ein neues harmonisches Material generiert oder im dritten Teil seine homophone Struktur ganz in Figurationen auflöst.


„getönt“ (1997)
für Flöte, Klarinette, Klavier, Schlagzeug, Violoine, Violoncello

No.1 Qin
No.2 –
No.3 A Yaoshan Weiyan (751-834)
No.4 A Yaoshan Weiyan
No.5 –
No.6 A Anton Webern (1883-1945)
No.7 A Wolfgang Schulze (1913-1951)
No.8 Augenblick

Makadam (2019) UA
für Flöte, Klarinette, Horn, Klavier, Schlagzeug, Violine, Violoncello, Kontrabass

Klang aus der Steppe
Joshua Neuman wurde von Schostakowitsch als Schüler abgelehnt.
Er sammelte aber Handschriften seiner zeitgenössischen Komponisten: Skizzen, Partiturentwürfe, Kneipenrechnungen, alles, was die Kollegen nicht mehr brauchten.

In den 70ern, die genaue Jahreszahl lässt sich anhand der wenigen vorhandenen Dokumente nicht mehr ermitteln, wurde er wegen vorgeblicher Schizophrenie mit gemeingefährlichen Anteilen in ein Lager in Krasnojarsk (Sibirien) verbracht.
Dort schrieb er in wildem Eifer die mitgebrachten Werke seiner Kollegen wieder und wieder ab, veränderte hier und dort Details, gab den Stücken andere Titel, und eignete sich so in einer Weise, die in erstaunlicher Weise dem gleichzeitig in den USA entstehenden Re-enactment gleicht, die Erfindungen anderer Künstler an.
Unter ungeklärten Umständen wurde er, vermutlich von Mitinsassen seines Lagers auf grausame Weise zugerichtet, in den frühen Morgenstunden eines nebligen Herbsttages kopflos aufgefunden.

Seine Habseligkeiten wurden dem einzig auffindbaren Verwandten, einem Cousin zweiten Grades, überstellt, der bis zu seinem Tod mit den Papieren seinen Ofen heizte.
Mit der nach der Glasnost einsetzenden Erforschung der sowjetischen Psychiatrie-Geschichte wurden auch die wenigen noch auffindbaren Handschriften Neumanns gesichtet und in den kunsthistorischen Kontext eingeordnet.
Aufführungen seiner „Werke“ sind weiterhin selten, und finden meist im Rahmen wissenschaftstheoretischer Kongresse statt.
 
         

Juni

         
14.06. 17:00   Zürich, Kunstraum Walcheturm

Doppel-CD Taufe

Sebastian Gottschick

Programm nach Ansage
und
Die fünf Vokale (Purcell)
Reisekorb (Vulpius/ Bach)
Ich wollt’, ich hätte (Strauss)
Die Jungfrau und ihr Befreier (Wagner u.a.)


ensemble für neue musik zürich
Hanspeter Frehner  Flöte
Manfred Spitaler   Klarinette
Philipp Meier      Klavier
Lorenz Haas        Schlagzeug
Daniela Müller     Violine
Nicola Romanò      Violoncello

Jeannine Hirzel        Sopran
Anna Trauffer          Kontrabass
Philipp Schaufelberger E-Gitarre
Sebastian Gottschick   Leitung

Charles E. Ives
Another Songbook


Sebastian Gottschick
Notturni


         
         
28.06. 18:00   Zürich, Kunstraum Walcheturm

Gruss an Peter Regli
Reality Hacking

zwei Uraufführungen von Hanspeter Frehner
dazu
RH 202, 205, 209, 212, 218, 225, 226, 237

ensemble für neue musik zürich
Hanspeter Frehner  Flöte
Manfred Spitaler   Klarinette
Viktor Müller      Klavier
Lorenz Haas        Schlagzeug
Daniela Müller     Violine
Nicola Romanò      Violoncello
 
         

August

         
29.08. 16:00   Giornico, La Congiunta

Hommage à Josephsohn von Hanspeter Frehner
Version VI
Eine Klanginstallation für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und 3 Percussionisten

ensemble für neue musik zürich

Hanspeter Frehner  Flöten
Manfred Spitaler   Klarinetten
Daniela Müller     Violine
Nicola Romanò      Violoncello
Viktor Müller      Plattenglocken
Lorenz Haas        Röhrenglocken
Sebastian Hofmann  Buckelgongs
 
         

September

         
26.09. 20:00   Zürich, Kunstraum Walcheturm

AN MIT FÜR EUCH, UA
von und mit Christoph Coburger

ensemble für neue musik zürich

Hanspeter Frehner  Flöte
Manfred Spitaler   Klarinette
Viktor Müller      Klavier
Sebastian Hofmann  Schlagzeug
Daniela Müller     Violine
Nicola Romanò      Violoncello

Christoph Coburger Leitung/Tasten/Gesang etc.
         

Oktober

         
31.10. 20:00   Zürich, Kunstraum Walcheturm

Memorial zum 10. Todestag

Franz Furrer-Münch (1924-2010)

Spiegel in Wachs, 1992, rev. 2005
für Flöte und Klarinette

Canzona
für Sopran und Ensemble

Legenden/Melismen, 2004
für Violoncello, Marimba und Schlagzeug

Aus dem Skizzenbuch
für Ensemble

Barbara Böhi     Sopran
Jürg Henneberger Leitung

ensemble für neue musik zürich
Hanspeter Frehner  Flöte
Manfred Spitaler   Klarinette
Viktor Müller      Klavier
Lorenz Haas        Schlagzeug
Daniela Müller     Violine
Nicola Romanò      Violoncello
 
         

November

         
19.11.
20.11.
21.11.
22.11.
20:00
20:00
20:00
17:00
  Zürich, Kunstraum Walcheturm
Zürich, Kunstraum Walcheturm
Zürich, Kunstraum Walcheturm
Zürich, Kunstraum Walcheturm

„NEUES VOM WELTUNTERGANG“ UA
(nach einer Formulierung von Thomas Mann in Doktor Faustus)

Eine Operette von Johannes Marks für 4 Singende und kleines Ensemble

Gesetzt den Fall, dass wir tatsächlich in einer Zeit leben, in der es zum Äußersten kommt - sei es zur Klimakatastrophe, sei es zum Faschismus; dass wir tatsächlich Zeugen eines Phänomens werden, das man ein wenig großzügig den Weltuntergang nennen kann - welches Bild hätten spätere Generationen vom Leben in unserer Zeit?
Sie wären wohl überrascht, wenn sie sähen, wie alltäglich wir das aufziehende Grauen erleben - dass wir 'einfach so' weitermachen, arbeiten, fernsehen, telefonieren ... . Wo ist das Entsetzen? Wo bleibt das Aufbegehren?
Ein kleiner Beitrag des Aufrüttelns soll das Stück "Neues vom Weltuntergang" sein. Das Genre: nicht von ungefähr eine Operette, die ihren morbiden Charme ganz im Sinne des Tanzes auf dem Vulkan versprüht - denn szenisch wie musikalisch soll es nicht an den klassischen Zutaten Champagner, Kaviar und Liebe fehlen!
J.M.
         
9. Februar 2020
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